Große Wut in den O2-Shops

Die goldenen Zeiten für Handyläden in den Innenstädten sind vorbei. Am härtesten sortiert der spanische Mobilfunkkonzern Telefónica in seinen O2-Shops aus.

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Die goldenen Zeiten für Handyläden in den Innenstädten sind vorbei. Am härtesten sortiert der spanische Mobilfunkkonzern Telefónica in seinen O2-Shops aus.

Telefónica machte kurzen Prozess. Sieben Stunden brauchten die Möbelpacker, um den Shop der Premiummarke O2 mit all seinen blau-weißen Theken, Regalen und Leuchtreklamen auszuräumen. Zurück blieben die Chefs und zehn wütende Mitarbeiter, die sich vor dem leeren Ladenlokal am Berliner Platz in der Bottroper City zur Mahnwache versammelten und mit selbst designten Plakaten protestierten. „Mega Data, Mega Digital, 0 Moral“, schimpfen sie über die O2-Geschäftsführer im fernen München und erklären Passanten mit Tränen in den Augen, was passiert ist: „O2 macht dicht und entlässt uns in die Arbeitslosigkeit.“

Die Schuldigen hatten die Mitarbeiter längst ausgemacht: Manager in der Münchner Telefónica-Zentrale mit Vorstandschef Markus Haas an der Spitze seien verantwortlich dafür, dass der etablierte Handyladen in Bottrop seine Türen schließen muss. Ähnliche Szenen spielten sich in den vergangenen Monaten in Gladbeck, Duisburg, Limburg, Montabaur, Bergheim und Recklinghausen ab.
 

Shops in besten Lagen schließen

Viele O2-Händler schenken solchen Ankündigungen kaum noch Glauben. Denn seit der Fusion mit E-Plus im Jahre 2014 gestaltet sich die Zusammenarbeit eher schwierig. Zunächst gab es Netz- und Serviceprobleme. Allein 2017 sackte die Zahl der Mobilfunkkunden um 1,1 Millionen ab. Die Umsätze bröckeln, auch die IT schwächelt. Vertriebspartner, mit denen O2 jahrelang zusammenarbeitete, müssen Shops in besten Lagen schließen. Auffallend dabei ist, dass vor allem Shops von ehemaligen E-Plus-Händlern betroffen sind, die Telefónica nach der Übernahme mit kühnen Wachstumsprognosen zum Weitermachen unter der Dachmarke O2 überredete. „Telefónica hat uns goldene Zeiten versprochen und uns dann absichtlich verhungern lassen“, schimpft ein Händler, der namentlich nicht genannt will. Wie Kollegen aus den anderen Städten kämpft er jetzt vor dem Landgericht München, dass Telefónica die durch fehlerhafte IT-Systeme verursachten Umsatzausfälle durch höhere Ausgleichszahlungen ersetzt. Telefónica weist die Ungleichbehandlung zurück. „Unsere Partner haben die Chance, ihren Kunden die gleichen Angebote zu machen wie jeder andere Vertriebskanal.“

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