Mobilfunk: Telefonica droht Strafe wegen schlechtem Netzausbau

Der Ausbau bei den LTE-Netzen für den Mobilfunk geht langsamer voran, als es die Vorgaben der Bundesnetzagentur vorschreiben. Insbesondere für die Telefonica könnte das in Zukunft teuer werden.

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Kaum ein deutscher Netzbetreiber steht so oft und vehement in der Kritik wegen schlechter Netzabdeckung wie die Telefonica Deutschland. Während sich insbesondere Telekom gerne damit rühmt, das am besten ausgebaute Netz zu haben, kritisieren viele Kunden die Netzqualität des Telefonica-Netzes. Dabei, so erklärt der Betreiber, geht rechnerisch jede Stunde ein neuer Sendemast in Betrieb, der den LTE-Standard unterstützt – rund zehntausend im Jahr.

Doch möglicherweise ist gerade das das Problem: Denn anders als viele Kunden annehmen, steht LTE nicht nur für höhere Übertragungsgeschwindigkeiten, sondern vor allem für einen inkompatiblen Übertragungsweg. Will sagen: Ein reiner 3G/UMTS-Vertrag ist bereits heute ein Problem in Gegenden, in denen der Netzbetreiber die herkömmlichen UMTS-Sendeanlagen zu Gunsten der LTE-Anlagen austauscht. Denn Netzausbau, das ist bei allen Netzbetreibern so, ist keine Einbahnstraße – und für ein schnelleres 4G-Netz wird die ältere UMTS-Technik deaktiviert. Dass das gerade bei O2/Telefonica so ins Gewicht fällt, hat auch mit der großen Zahl an Reseller-Verträgen zu tun, die auch im Jahr 2019 teilweise noch kein LTE unterstützen, um Kosten zu sparen. Gerade viele preissensitive Kunden, die meinen, sie bräuchten nur einen günstigen Vertrag, achten aber auf diesen Umstand nicht und riskieren so schlechte Netzqualität, insbesondere wenn es sich um eine Vertragslaufzeit von 24 Monaten handelt.

Bundesnetzagentur: In einigen Bundesländern sieht es schlecht aus

So oder so tut sich Telefonica aber mit dem Netzausbau schwer. Eine Untersuchung der Bundesnetzagentur, die in der kommenden Woche vorgestellt wird, zeigt offenbar, dass der spanische Anbieter nur 80 Prozent der Bevölkerung mit mobilen Breitbandverbindungen versorgt, wobei es auch noch Unterschiede zwischen den Bundesländern geben soll, so das Handelsblatt, dem die Untersuchung bereits vorliegt.

Offenbar deckt sich das mit den durch die Bundesnetzagentur abgefragten Daten der Anbieter: Danach soll der „schwächste Anbieter“ (Telefonica wird hier nicht explizit genannt) in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern zwischen 55 und 64 Prozent Netzabdeckung auf Haushaltsbasis erreichen (die tatsächliche rechnerische Abdeckung in der Fläche ist somit noch schlechter). Der jeweils beste Anbieter erreicht hingegen in keinem der Bundesländer unter 94 Prozent Netzabdeckung nach Haushalten – dabei dürfte es sich um das D1-Netz der Telekom handeln.

In wieweit die Daten der Netzbetreiber glaubhaft sind, ist ebenfalls ein Streitpunkt. Mehrere Politiker unterschiedlicher Fraktionen haben hier bereits Zweifel angemeldet. Dabei ist Deutschland ohnehin nicht gerade für ein wettbewerbsfähiges Mobilfunknetz bekannt: Ein Vergleich der internationalen Netze zeigte im vergangenen Jahr, dass Deutschland hier nicht einmal unter den Top 20 der europäischen Länder rangiert.

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